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vom 20.08.2016
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Anne Bude
PORTRÄT. Man malocht, mittags gibt’s ’ne Kniffte und am Wochenende geht’s auf’n Platz – Klischees, ja klar, aber auch ein Teil Ruhrgebietsidentität. Zechen, die jahrzehntelang das Bild der Region prägten, gehören mittlerweile zwar der Vergangenheit an, doch eine Institution im Pott hat auch den Strukturwandel überlebt: die „Bude umme Ecke“.
Die Kioske an Ruhr und Emscher will die Ruhr Tourismus GmbH (RTG) heute feiern und widmet ihnen den ersten Tag der Trinkhallen. Tief im Süden von Recklinghausen liegt der Kiosk Moske, der zu den 50 von der RTG ausgewählten Programm-Buden gehört, die am heutigen Samstag mit Musik, Lesungen oder Mitmach-Aktionen bespielt werden.
„Ein Wassereis bitte“, sagt der Jugendliche und reicht Nezahat Moske das Geld. Sie gibt ihm das Eis und erwidert: „Du hast noch zehn Cent über. Was willst Du davon haben?“ „Nichts“, winkt der junge Mann ab, „stimmt so.“ Doch es gibt noch ein „Klümpchen“ obendrauf.
Seit 15 Jahren führen Nezahat und ihr Mann Alex Moske den Kiosk Moske an der Königstraße 70 in der Recklinghäuser Südstadt. „Eigentlich haben wir die Trinkhalle bereits 1998 übernommen“, erinnert sich Nezahat Moske. „Damals hatten wir noch einen weiteren Kiosk.“ Doch die Belastung, zwei Geschäfte zu führen – ohne Personal wohlgemerkt – und gleichzeitig zwei kleine Kinder großzuziehen sei einfach zu groß gewesen, sodass man den aktuellen Kiosk zunächst habe schließen müssen. Im Jahr 2001 hat das Ehepaar dann die alte Trinkhalle abgegeben und betreibt seitdem durchgängig den Standort an der Königstraße.
Über 100 Jahre soll die hölzerne Bude bereits auf dem Buckel haben. „Die alten Leute können sich noch daran erinnern, dass der Kiosk hier schon zu ihren Kindertagen stand“, erzählt Moske mit einem Lächeln. Den ganzen Tag über wartet sie hier auf Kundschaft. Abends und am Wochenende wechselt sie sich mit ihrem Mann ab, wenn dieser von der Arbeit kommt. Denn allein von den Einnahmen aus dem Kiosk leben? „Nein, das geht nicht“, räumt Nezahat Moske ein.
Im Sommer sei die Arbeit nicht so schlimm. „Bei gutem Wetter stelle ich mir ein Tischchen raus und kann ein wenig mit den Passanten plaudern.“ Doch im Winter würde es in dem Holzbau schon ganz schön kalt werden. Doch trotz aller Anstrengungen „macht es trotzdem Spaß“.
Wenn ihr Mann in Rente geht, wolle auch sie den Ruhestand einläuten. „Ich bin immerhin schon 60“, betont Nezahat Moske. Und was passiert dann mit dem Kiosk? „Unsere Kinder werden ihn auf jeden Fall nicht übernehmen“, sagt sie. Die Tochter wird Biologin, der Sohn studiert Informatik – „die haben an der Trinkhalle kein Interesse“.
Am heutigen Tag der Trinkhallen spielen hier zwei Bands – Jazz und Swing bekommen die Besucher von 16 bis 22 Uhr geboten. „Und ich bereite einige türkische Spezialitäten zu“, verspricht Nezahat Moske. Sie hofft auf gutes Wetter und zahlreiche Besucher. „Unter anderem eine Fahrradtruppe aus Dortmund, die hier jüngst Station gemacht hat, hat sich für heute angekündigt“, erzählt sie stolz. „Das wird bestimmt ein Spaß.“ 
INFO:
Rund 300 Akteure, 17 Musikrichtungen, Lesungen und Mitmach-Aktionen von Karaoke bis Graffiti hat der erste Tag der Trinkhallen am heutigen Samstag, 20. August, ruhrgebietsweit zu bieten. Neben den 50 von der Ruhr Tourismus GmbH (RTG) organisierten Programm-Buden sind weit über 100 Trinkhallen mit eigenen Aktionen Teil des Tages. Das von der RTG organisierte Programm läuft am heutigen Veranstaltungstag zwischen 16 und 22 Uhr als Schleife. Was wo am ersten Tag der Trinkhallen los ist, erfahren Besucher unter www.tagdertrinkhallen.ruhr/programm. Auch die eigenen Beiträge der angemeldeten Trinkhallen werden dort vorgestellt. / Foto: NBM