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Kurier
 Kreis-Ausgabe
18.02.2017











 


„Eine ganz andere Dimension“
WIRTSCHAFT. Ein Eldorado für Oldtimer-, Sportwagen- und Motorradfreunde aus dem In- und Ausland solle sie werden, die geplante Motorworld Zeche Ewald Ruhr in Herten – mit Show- und Verkaufsräumen für hochpreisige Sportautos, Zubehör- und Accessoires-Shops sowie Gastronomie und einem Hotel. Nun kann die Zeche Ewald Entwicklungsgesellschaft mbH & Co. KG (ZEE), Projektgesellschaft der Motorworld, verkünden, dass das neue Mobilitäts- und Sportwagenzentrum auf einer mehr als dreimal so großen Fläche realisiert werden kann, wie ursprünglich veranschlagt: Statt bisher 20.000 Quadratmetern stehen den Verantwortlichen jetzt rund 60.000 Quadratmeter zur Verfügung.
Möglich gemacht hat diesen Coup die Projekt Ewald GmbH & Co. KG (PEG), der zahlreiche Grundstücke und Gebäude des früheren Zechengeländes gehörten. Nach dem Verkauf sämtlicher Grundstücke wird die PEG nun Mitgesellschafterin der ZEE. „Alles, was bisher auf Ewald noch ungenutzt und unbebaut ist, wird jetzt Teil der Motorworld“, erklärt PEG-Geschäftsführer Stephan Künzer. „Dazu gehören alle Grundstücke Richtung Halde Hoheward und Autobahn, aber auch die Schwarz- und Weißkaue sowie die Lohn- und die Tonnenhalle.“ Bernd Lohse, Projektleiter Ewald bei der RAG Montan Immobilien, ergänzt: „Für uns war es ganz wichtig, über die PEG auch in Zukunft Einfluss auf die Entwicklung des Zechengeländes zu haben. Das waren wir unserer Tradition im Bergbau schuldig, und das ist nun vorzüglich gelungen.“
Mit der Unterzeichnung der Notarverträge gingen monatelange Verhandlungen zu Ende. „Wir können nun sagen“, betont Martin Rinke, Geschäftsführer der ZEE, „dass unser Unternehmen noch einmal eine ganz andere Dimension erreicht hat als das, was wir uns bisher vorgestellt haben.“ Nun habe man Planungssicherheit, sodass es mit Vollgas in die städtebauliche Planung gehen könne. Schon bald würden auch die ersten Bauanträge gestellt werden.
Vor drei Monaten hat die Motorworld in der Rasenhängebank unter dem Doppelbockturm ihre ersten Büros bezogen. „Nun“, erklärt Marc Baumüller, ebenfalls Geschäftsführer der ZEE, „sind wir vor Ort für alle Interessenten ansprechbar, die sich auf unserem Gelände engagieren wollen. Hier gibt es in Zukunft alles, was das Herz des Motorfreundes frohlocken lässt. Dabei wird die Zeche Ewald zum Anziehungspunkt, zum Treffpunkt und zum Service- und Verkaufsraum.“
Vorbild ist die Motorworld Region Stuttgart in Böblingen, ein riesiges privates Oldtimer- und Sportwagenzentrum. Seit 2009 besuchen jährlich mehr als 500.000 Besucher das Gelände eines ehemaligen Flughafens. Hier gibt es Einstellmöglichkeiten für Oldtimer genauso wie Verkaufsräume von Marken wie Ferrari, Maserati, Lamborghini, Lotus, McLaren oder Harley-Davidson. Fachbetriebe und spezialisierte Werkstätten kümmern sich um die Bedürfnisse der Fahrzeugliebhaber. Zubehör- und Accessoires-Shops, ein und demnächst auch ein zweites Vier-Sterne-Hotel sowie fünf Restaurants runden das Angebot ab. Auch in München und in Köln entstehen zurzeit weitere Motorworld-Projekte dieser Art. Außerdem werden demnächst – als sogenannte „Schrauberdörfer“ konzipiert – die Motorworld Manufakturen Berlin und Metzingen an den Start gehen.
Die Motorworld Zeche Ewald Ruhr soll sich auch als Messe- und Eventstandort entwickeln. Deshalb sind Gastronomie-Betriebe genauso fest geplant wie ein Hotel, das in den oberen Teil der Rasenhängebank eingebaut wird. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass die Bauarbeiten noch in diesem Jahr beginnen, spätestens 2019 soll die Motorworld fertig sein. Insgesamt sollen mindestens 200 neue Arbeitsplätze entstehen. / Grafik: Motorworld


„Entwicklungsschwerpunkt mit regionaler Bedeutung“
STRUKTURWANDEL. „gate.ruhr – die neue Victoria“, so der Name des geplanten Industrie- und Gewerbegebietes, das in den kommenden Jahren auf dem rund 90 Hektar großen Gelände des Bergwerks Auguste Victoria (AV) in Marl entstehen soll. Die Stadt Marl und die RAG Montan Immobilien GmbH wollen so den struktur- und arbeitsmarktbezogenen Folgen der Zechenschließung – im Dezember 2015 wurde AV stillgelegt – begegnen. Erste Ergebnisse zeigen: Der Entwicklung des ehemaligen Bergbauareals zu einem Industrie- und Gewerbegebiet stehen keine grundsätzlichen Hemmnisse im Wege.
Auf Grundlage der Ergebnisse der ersten Phase einer Machbarkeitsstudie werden nun in der zweiten Phase die Restriktionen und Potenziale vertiefend untersucht und ein tragfähiges Strukturkonzept für die nachhaltige Revitalisierung der Fläche soll erstellt werden. Dieses wird dann die Grundlage für die konkrete Planung des Areals hinsichtlich Erschließung und Nutzung. „Aktuell werden unter anderem Gutachten zum Natur- und Artenschutz sowie zum Verkehr erhoben“, erklärt Manfred Gehrke, Leiter der Wirtschaftsförderung Marl. „Auch wenn uns noch nicht alle Ergebnisse vorliegen, sind wir weiterhin sehr zuversichtlich, unsere Pläne in die Tat umsetzen zu können.“ Die endgültigen Ergebnisse sollen bis Ende dieses Jahres vorliegen. Das Land Nordrhein-Westfalen fördert mit rund 1,23 Millionen Euro die Fortführung der Machbarkeitsstudie.
Das Gelände der ehemaligen Schachtanlage AV 3/7 gehört zu den wenigen größeren Flächen in der Emscher-Lippe-Region und dem Ruhrgebiet, die mittelfristig für Industrie- und Gewerbeansiedlungen erschlossen werden können. Die RAG Montan Immobilien GmbH als Immobilientochter des Flächeneigentümers RAG AG und die Stadt Marl haben sich zum Ziel gesetzt, 2020 in die konkrete Vermarktung der Fläche einzusteigen, neue Unternehmen anzusiedeln und so bis zu 1.000 zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen. Die beiden Partner setzen dabei unter anderem auf die besondere Lage des Geländes als Tor zum Ruhrgebiet und auf die gute Verkehrsanbindung über Autobahn, Schiene und den Wesel-Datteln-Kanal.
„Nach dem Rückzug des Bergbaus aus dem Kreis Recklinghausen ist der Standort AV 3/7 ein zentraler Entwicklungsschwerpunkt mit regionaler Bedeutung für die nächsten fünf bis zehn Jahre“, erklärt Landrat Cay Süberkrüb. „Für den Arbeitsmarkt im Kreis und darüber hinaus ist das eine große Chance, Industrieunternehmen einen attraktiven Standort anzubieten. Wir benötigen dringend neue industrielle Arbeitsplätze, damit die Zukunft unserer Region gesichert werden kann.“ / Foto: Stadt Marl


Wohnen am Wasser
STADTENTWICKLUNG. Es sei „eine der letzten wirklich großen Flächenentwicklungen im Stadtgebiet“, so Recklinghausens Bürgermeister Christoph Tesche – die Entwicklung der ehemaligen Trabrennbahn. Nach einer mehrmonatigen Findungsphase in der ersten Jahreshälfte 2016, in die die Stadt auch Bürger einbezogen hat, steht fest: Auf dem 39 Hektar großen Areal in Hillerheide soll ein See – Hillersee genannt – entstehen, von Wohnhäusern umrahmt. Und mit dem jetzt gestarteten „InnovationCity roll out“ soll außerdem der gesamte Stadtteil umfassend energetisch saniert werden.
Das Konzept zum neuen Rennbahn-See stammt von der Dortmunder Städtebauerin Prof. Christa Reicher und dem Freiraumplaner Frank Flor. „Der Entwurf hat uns überzeugt und eine Empfehlungskommission hat sich mit sehr großer Mehrheit dafür entschieden“, so Tesche. „Eine wichtige Etappe ist erreicht.“ Das Grundkonzept liege nun vor – es sei der klare Auftrag zum „Wohnen am Wasser“.
„Allen zahlenden Nutzern wurde, sofern rechtlich möglich, zum Jahresende 2016 oder zum 31. Januar gekündigt, um die Flächenentwicklung nicht zu beeinträchtigen und die Verkehrssicherung des Areals dauerhaft gewährleisten zu können“, erklärt Helge Wassermann, Projektleiter bei der Stadtentwicklungsgesellschaft Recklinghausen (SER), den aktuellen Stand des Großprojektes. Lediglich der Angelverein darf noch bis Ende des Jahres seinem Sport am Rennbahnsee nachgehen – diesem konnte erst zum 31. Dezember 2017 gekündigt werde –, was die weitere Flächenentwicklung jedoch nicht einschränke.
Das Abbruch- und Entsorgungskonzept für alle Gebäude und Anlagen auf dem Areal konnte bereits im vergangenen Jahr fertiggestellt werden. Ebenso wurden die allgemeinen Bodenerkundungen abgeschlossen. „Nach Untersuchung und Bewertung des Grundwassers kann dann das Baureifmachungskonzept für die Flächen abschließend bearbeitet werden“, so Wassermann weiter. Im Anschluss soll die detaillierte Abbruch-, Baureifmachungs- und Sanierungsplanung ausgeschrieben werden.
„Zurzeit wird außerdem eine Machbarkeitsstudie zur Umsetzung des Rennbahnsees erarbeitet“, führt der Projektleiter weiter aus. „Sobald das Ergebnis vorliegt, sollen weitere Planungsleistungen und Gutachten zur Flächenentwicklung beauftragt werden.“ Der Abriss der Gebäude auf der Trabrennbahn soll dann voraussichtlich 2018 beginnen.
Doch nicht nur die ehemalige Sportstätte will die Stadt in Hillerheide auf Vordermann bringen. Denn mit dem Stadtteil ist Recklinghausen am gestrigen 10. Februar auch im sogenannten „InnovationCity roll out“ gestartet. Ziel ist es, die energetische Sanierung vor allem im privaten Wohnungsbereich voranzubringen.
Der Name „InnovationCity roll out“ steht für eines der größten Projekte des Strukturwandels im Ruhrgebiet. Die Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem 2010 gestarteten Projekt „InnovationCity Ruhr | Modellstadt Bottrop“ sollen auf das gesamte Ruhrgebiet „ausgerollt“ werden. „Der zunächst für Bottrop entwickelte Prozess soll auf weitere Städte im Ruhrgebiet übertragen werden“, sagt Burkhard Drescher, Geschäftsführer der Innovation City Management GmbH (ICM). „Recklinghausen-Hillerheide ist eines von 20 Quartieren, in denen im Rahmen des Projektes ein Konzept zur Steigerung der Energieeffizienz und zur ganzeinheitlichen Quartiersentwicklung erstellt wird.“
Im ersten Schritt werden nun der Gebäudebestand und die Energieversorgung im Quartier analysiert. Daraus sollen im zweiten Schritt unter anderem konkrete Vorschläge für Projekte und Maßnahmen zur energetischen Gebäudesanierung und Quartiersentwicklung abgeleitet werden. Zunächst entwickeln Stadtverwaltung, ICM und weitere Akteure aus der Stadt und dem Quartier bis Sommer 2017 ein integriertes Quartierskonzept für Hillerheide. Das Konzept zum klimagerechten Stadtumbau dient dann als Grundlage für die energetische Modernisierung des Stadtteils. Die mehrjährige Umsetzungsphase, die nicht Teil des „InnovationCity roll out“ ist, soll möglichst nahtlos an die Konzepterstellung anschließen. / Foto: NBM