„Den Tagen mehr Leben geben“
MEDIZIN. Als die Palliativstation am Hertener Gertrudis-Hospital vor zehn Jahren ihre Pforten öffnete, war sie eine der ersten in der Region. Hier wurden und werden Menschen behandelt, die an einer unheilbaren und weit fortgeschrittenen Krankheit leiden. „Die Palliativmedizin steckte damals noch in den Kinderschuhen. Und nur die wenigsten konnten mit dem Begriff etwas anfangen“, erinnert sich Dr. Anette Borchert, Chefärztin der Geriatrie im Westerholter Krankenhaus und Leiterin der Palliativstation. „Das ist erfreulicherweise heute anders.“ Inzwischen gebe es in unserer Region ein gut funktionierendes Netzwerk aus Krankenhausärzten, niedergelassenen Medizinern, Pflegediensten und ambulanten Hospizdiensten, um die Patienten sowohl daheim als auch im Krankenhaus lückenlos zu betreuen.
„Unser Ziel besteht darin, die Symptome der Patienten so in den Griff zu bekommen und zu lindern, dass die Lebensqualität verbessert wird und wir die Menschen möglichst wieder in ihre vertraute Umgebung entlassen können. Wir müssen aber auch bereit und in der Lage sein, auf die psychosozialen Bedürfnisse der Menschen einzugehen. Denn unheilbar kranke Menschen und ihre Angehörigen haben Ängste und Fragen, die um Leid und Trauer, Sterben und Abschiednehmen kreisen“, erläutert Dr. Borchert, die selbst ausgebildete Palliativmedizinerin ist. Für diese anspruchsvolle Aufgabe steht ein großes interdisziplinäres Team zur Verfügung: Mediziner, speziell ausgebildete Pflegekräfte, Physio- und Ergotherapeuten, Psychologen, Seelsorger, Sozialarbeiter und viele ehrenamtlich tätige Menschen arbeiten Hand in Hand.
Den runden Geburtstag feiert das Team der Palliativstation gleich mit zwei Veranstaltungen. Der Auftakt findet am heutigen Samstag, 18. November, unter dem Motto „Den Tagen mehr Leben geben“ von 15 bis 20 Uhr in der Kirche St. Michael in Gelsenkirchen-Hassel statt. Ab 15 Uhr informiert zunächst der „Förderkreis der Palliativmedizin am Gertrudis-Hospital Herten-Westerholt e.V.“ in einer Diashow über seine Arbeit und zeigt Einblicke in das Leben der Westerholter Palliativstation. Wer noch ein kleines Adventsgeschenk sucht, wird vielleicht auf einem Basar fündig, der ebenfalls in der Kirche aufgebaut ist. Auch der Wünschewagen des ASB, der vielen schwerkranken Menschen die Erfüllung ihres letzten Wunsches ermöglicht, hat seine Unterstützung für die Veranstaltung zugesagt. Für Essen und Trinken ist während der ganzen Zeit gesorgt. Höhepunkt ist dann ab 17 Uhr ein großes Benefizkonzert zugunsten der Palliativstation. Das musikalische Programm gestalten die beiden Kirchenchöre der St. Michael- und der Lukas-Gemeinde. Als Solistinnen wirken Heike Krämer und Petra Simiantkowski (beide Sopran) mit. Weiterer musikalischer Höhepunkt: der Auftritt des Veeh-Harfen-Ensembles „Saitenwind“. Zwischen den einzelnen Liedern werden Mitarbeiter der Palliativstation, Mitglieder des Förderkreises, aber auch Patienten und Angehörige in kurzen und sehr persönlichen Wortbeiträgen über die Station berichten. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei.
Am kommenden Montag, 20. November, lädt das Gertrudis-Hospital dann von 14 bis 17 Uhr zu einem Tag der offenen Tür auf der neu eingerichteten Palliativstation ein. Ab 14 Uhr stellt Dr. Anette Borchert in einem kleinen Vortrag zunächst die Anliegen der Palliativmedizin vor. Danach stehen die Räume zur Besichtigung frei. Und auch für Kaffee und Kuchen ist an diesem Tag gesorgt. / Foto: Gertrudis-Hospital